Wir sind Bio!

 

Hof Pfaffendorf wird erste Bio-Molkerei in Anhalt-Bitterfeld.

Ein Interview mit Inhaber Frederick Meurer zur Umstellung auf Bioland-Richtlinien.

Die Molkerei Hof Pfaffendorf hat die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung vollzogen. Ab dem 1.1.2020 liefert ihr eure Bio-Milch und Milchprodukte offiziell mit Bio-Siegel aus. Warum habt ihr euch für Bioland entschieden?

Wir waren schon vor der Umstellung sehr nahe dran an den Bioland-Verarbeitungsrichtlinien | hier die Bioland-Verarbeitungsrichtlinien als PDF verlinken|

für Milch, Milcherzeugnisse, Butter, Käse, Speiseeis. Dazu kommt, dass das Siegel dieses Anbauverbandes beim Verbraucher bekannt und akzeptiert ist und großes Vertrauen genießt. Wir freuen uns sehr, dass es nun endlich so weit ist.

 

Was ist denn neu bei eurer Milch?

Gemolken wird in der Tat wie immer, wir haben ja schon immer sehr sauber gearbeitet.

Neu ist unsere Verpackung. Da freue mich sehr über das neue, frische Design.

Ihr macht ja faktisch Weidemilch, verwendet diesen Begriff aber nicht auf eurem Etikett. Warum?

Der Terminus ist meines Erachtens vorwiegend ein Marketingbegriff. Wir gehen davon aus, dass der Bio-Kunde, also alle Menschen, die sich mit gesunden Lebensmitteln auseinandersetzen, das voraussetzen oder wissen, dass die Kühe natürlich so viel Zeit im Jahr wie möglich draußen auf der Weide verbringen. Wir machen frische Bio-Trinkmilch, die wir in unserer Hofmolkerei selber abfüllen und von dort noch am selben Tag ausliefern. Diese schonende Verarbeitung und der Verzicht auf Homogenisierung sorgt dafür, dass die Milch noch natürlich aufrahmt und vor dem Öffnen kurz geschüttelt werden sollte. Das ist unser Verständnis von Qualität, Frische und Transparenz, die Art wie wir dieses ursprüngliche Lebensmittel gewinnen.

Was hat sich an eurem Joghurt verändert, respektive bei der Herstellung und Verarbeitung eurer Milch?

Bei unserem Joghurt ist eigentlich alles beim bekannten Herstellungsverfahren geblieben, nur dass wir jetzt andere Zulieferer haben. Für unseren Bioland-Joghurt verwenden wir nur natürliche Früchte, verzichten komplett auf künstliche Aromen und verwenden vorwiegend* Rohrzucker. Unser neuer Partner für Fruchtzubereitungen für Joghurt stellt ebenfalls alles handwerklich her. Und natürlich hat unser Joghurt – wie unsere Milch – weiterhin seinen natürlichen Fettgehalt, der je nach Jahreszeit leicht schwankt.

Was habt ihr denn geändert, um die Anforderungen für das Anbaulabel Bioland zu erfüllen?

Die größte Entwicklung ist sicher, dass wir der ganzen Herde von insgesamt 650 Tieren Weidehaltung ermöglichen, vorher hatte nur das Jungvieh dauerhaft Zugang zur Weide.

Insgesamt haben wir nun vier Ställe, einen Kälberstall und einen Stall für die Trockensteher. Trockensteher nennen wir die Kühe, die gerade tragend sind und „trockengestellt“, das bedeutet, 60 Tage vor der Geburt des Kälbchens nicht gemolken werden. Ihren Urlaub verbringen diese Tiere komfortabel im Tiefstreustall.

Die liegen hier alle auf Stroh und können jederzeit frei entscheiden, ob sie im Stall sein oder nach draußen gehen wollen. Vorm Stall haben die Tiere einen Auslauf, dadurch finden die anderen Milchkühe wiederum mehr Platz im Stall. Auch hier sind alle Liegeboxen mit Stroh eingestreut. Um die Bewegungen der Herde besser begleiten zu können, haben wir neue Treibewege angelegt. Auf der Weide stehen macht weniger anfällig, das tut den Tieren selbstverständlich gut.

Kühe im Tiefstreustall vom Hof Pfaffendorf

Die Fütterung ist relativ gleichgeblieben. Wir haben vorher möglichst kein Futter zugekauft, und wollen dies natürlich auch in Zukunft nicht tun. Das heißt, alle Futtermittel stammen von unseren Feldern. Auf den Feldern wird kein synthetischer Dünger ausgebracht, Spritzmittel sowieso nicht. Aufgrund der Klimaveränderungen müssen wir jedoch weiterhin mit extremeren Wetterlagen rechnen und haben uns zum Ziel gesetzt, bei guten Ernten 100% des Futters selbst anzubauen.

Dazu kommt, dass wir bei Bio-Haltung auf so viele Medikamente wie möglich verzichten. Dieses Ziel zu erreichen wird durch die Weidehaltung leichter, denn der damit verbundene Auslauf, das Mehr an Bewegung und nicht zuletzt das frische Gras wirkt sich positiv auf die Vitalität und Fitness, auf die gesamte Herdengesundheit aus.

Wir versuchen die Gesamtstruktur unserer Tiere über gezielte Züchtung weiter zu verbessern und gehen hier gerade folgenden Weg: 50% der Herde bleibt reinrassig, bei der anderen Hälfte wird einmal Braunvieh eingekreuzt, das gibt noch robustere Kälber, bei den übrigen 25% kreuzen wir Schwedisch Rot-Rotbunt ein, das unterstützt die Fruchtbarkeit der Tiere. Wenn diese Tiere tragend sind, werde sie wieder zurückgekreuzt. Die Kuh die dabei rauskommt, ist dann „unsere Bio-Kuh“.

Kühe auf den Weiden vom Hof Pfaffendorf

Viele Kunden denken, Bio und Glasverpackungen gehören zusammen. Ihr geht einen anderen Weg. Wieso?

Für die Reinigung von Glasflaschen wird viel Wasser sowie Reinigungs- und Desinfektionsmittel verbraucht. Die Reinigung wird oft noch dadurch erschwert, dass die Flaschen stark verschmutzt oder beschädigt sind. Für die Produktion von Glasflaschen muss also viel Energie aufgewendet werden und viele Gläser landen nach nur wenigen Durchläufen auf dem Müll.

Dazu kommt, dass der benötigte Lagerplatz für Glasflasche in keinem Verhältnis zu Kunststoff steht. Das gilt logischerweise auch für den Transport. Wir fahren unsere Milch und unseren Joghurt persönlich in der Region aus. Beim Thema Transport spielen Ökobilanz und Co2 Ausstoß eine wesentliche Rolle. Je mehr Platz ich brauche und je mehr die Ladung wiegt, desto mehr emittiere ich. Ein Milchkarton wiegt 25 g, eine Milchflasche 300 g, sprich mehr als das 10-fache. Das spricht ganz klar für Karton.

Im Lager stellen sich die Unterschiede wie folgt dar: Auf einer Palette finden ungefähr 22.000 Kartonverpackungen für Milch und 14.000 Joghurtbecher Platz. Bei Glasverpackungen wäre eine Palette bereits mit 600 Flaschen und 1700 Joghurtgläsern belegt. Das bedeutet also eine Palette Milchkartons ergibt 37 Paletten Glas! Das ist so ein riesiger Unterschied, da fiel uns die Entscheidung leicht.

Hof Pfaffendorf Molkerei, Bio- Molkerei

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Zum Interview:

Inhaber der Hofmolkerei Hof Pfaffendorf Frederick Meurer im Gespräch mit Kirsten Kohlhaw im November 2019.

 

Molkerei-Inhaber und Milchhof-Betreiber Frederick Meurer mit dem Bioland-Zertifikat, das er Ende 2019 überreicht bekam.